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Flaggen der Mitgliedstaaten der UN, die die Nachhaltigkeit in den letzten 30 Jahren vorangetrieben hat.

Nachhaltigkeit: Wie ein Konzept die Welt verändert

Nachhaltigkeit ist das Thema der Stunde. Der Begriff ist alt – die Idee dahinter nicht neu. Im 21. Jahrhundert liefert sie die Basis für ein ein global-gesellschaftliches Leitbild, das Ausdruck unseres Strebens nach einer umweltverträglichen und sozial gerechten Welt ist. Als Prinzip will Nachhaltigkeit nicht weniger als die Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft. Ein historischer Abriss zur Entwicklung des Konzepts, das die Welt verändert.

Kleine Begriffsgeschichte: Nachhaltigkeit im Spiegel der Zeiten
„Nachhaltig“ in der Bedeutung „langanhaltend“ oder „langanhaltend wirksam“ geht zurück auf das alte Wort „Nachhalt“. Der Nachhalt waren früher Vorräte, die man für knappe Zeiten zurücklegte. Als Prinzip im Sinne eines schonenden Umgangs mit Ressourcen wurde Nachhaltigkeit erstmals in der Forstwirtschaft formuliert. In seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica“ plädiert Carl von Carlowitz 1713 dafür, nicht mehr Holz zu fällen, als laufend nachwachsen kann. Auf seinem ursprünglichen Nachhaltigkeitsverständnis basiert unsere heutige Interpretation von Sustainability: Ressourcen so zu verbrauchen, dass Lebensgrundlagen erhalten bleiben.

Sustainability counts: Eine Idee überquert den Atlantik
Ein wichtiger Impuls für das weltweite Nachhaltigkeitsengagement kam in den 1960er Jahren aus den USA. Das Sachbuch „Der stumme Frühling“ der Biologin Rachel Carson schaffte ein neues Bewusstsein für die Umwelt – mit politischen Folgen: 1970 trat das amerikanische Umweltschutzgesetz NEPA (National Environmental Policy Act) in Kraft. Es verlangte erstmals bei Großprojekten eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Bürgerbeteiligung – und setzte damit auch jenseits des Atlantiks Signale: In Deutschland trat 1990 das „Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung“ (UVPG) in Kraft – als Umsetzung der entsprechenden europäischen Richtlinie. In seiner Neufassung gilt es heute noch.

Die UN-Umweltkonferenzen: Für eine neue, globale Umweltpolitik
Ab den 1970er Jahren sorgten die UN-Umweltkonferenzen schrittweise für eine breiter angelegte, neu justierte Interpretation des Nachhaltigkeitsgedankens. Die erste Weltumweltkonferenz in Stockholm führte 1972 zur Gründung der UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Als „Stimme der Umwelt“ spielt es eine tragende Rolle beim internationalen Nachhaltigkeits-Engagement. Auch der Begriff der „nachhaltigen Entwicklung“ wurde noch im letzten Jahrtausend geprägt. Der für die UN verfasste Brundtland-Bericht definiert Entwicklung als nachhaltig, wenn sie „den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“.

Rio-Konferenz 1992: Nachhaltige Entwicklung als Auftrag für die Welt
Auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro wurden erstmals seit 1972 in Stockholm wieder Umweltfragen im globalen Kontext besprochen. Dabei kam es zu wichtigen Weichenstellungen. Die Konferenz verabschiedete gleich mehrere Umweltabkommen und eine Reihe bedeutender Deklarationen. Zudem brachte Rio die Erkenntnis, dass globaler Umweltschutz nur möglich ist, wenn Politik zugleich soziale und ökonomische Aspekte mitbetrachtet. Rio 1992 war ein Meilenstein auf dem Weg in eine nachhaltige Entwicklung. Der Erdgipfel verknüpfte Umwelt- und Entwicklungspolitik im Rahmen der „Agenda 21“ und präsentierte ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Verantwortung aller Staaten für den Schutz unseres Planeten.

Sechs wichtige Resultate der Rio-Konferenz

  • Klimarahmenkonvention: Das UN-Abkommen stellt seit 1994 die Basis für den globalen Klimaschutz dar.
  • Biodiversitätskonvention: Das wichtigste internationale Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt.
  • Wüstenkonvention: Das „Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung“ wurde 1992 in Rio angestoßen, aber erst 1994 in Paris abgesegnet.
  • Rio-Deklaration: Die Abschlusserklärung der Rio-Konferenz präsentiert 27 Grundsätze für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, ist allerdings völkerrechtlich nicht bindend.
  • Agenda 21: Mit ihren 40 Artikeln deckt die Agenda ein breites Spektrum ab – von der Armutsbekämpfung bis hin zur Bevölkerungs-, Energie- und Umweltpolitik.
  • Walddeklaration: Die in Rio unterzeichnete Grundsatzerklärung formuliert Leitsätze für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Wälder – blieb jedoch weitgehend unverbindlich.

Europa und Deutschland: Nachhaltige Entwicklung wird Kernaufgabe
Die wachsende Bedeutung des Nachhaltigkeitsgedankens international hat das Thema auch auf die Agenda der EU und der deutschen Politik befördert. Mit der im Jahr 2000 beschlossenen „Lissabon-Strategie“ – im Kern eher ein Wirtschaftsprogramm – macht die EU nachhaltige Entwicklung erstmals zum Ziel politischer Bestrebungen. Dem stellte 2001 der Göteborg-Gipfel eine komplette Strategie für die nachhaltige Entwicklung an die Seite. Sie ist für alle EU-Mitgliedsstaaten bindend. In Deutschland wurde 2001 der Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) begründet. Er berät die Bundesregierung und treibt das Thema Nachhaltigkeit im Rahmen von Projekten gesellschaftlich voran.

European Green Deal und CSRD: Nachhaltigkeit als Verpflichtung
Mit dem Green Deal hat die EU-Kommission 2019 ein zentrales Maßnahmenkonzept vorgestellt. Das Ziel: die EU-Staaten bis 2050 klimaneutral zu machen. In der Folge trat 2021 das Europäische Klimagesetz in Kraft. Es schreibt schon bis 2030 eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 55 % fest. Im Dezember 2022 schließlich wurde die CSRD – die Corporate Sustainability Reporting Directive – veröffentlicht. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen in der EU ab 2024 zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Auch mittelständische und kleine Unternehmen sind sukzessive von der Richtlinie betroffen. Spätestens dann ist CSR-Engagement keine Kür mehr. Ein Grund, warum sich KMU frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen sollten.

Sie fragen sich, inwiefern Green Deal und CSRD Ihr Unternehmen betreffen? CIRCLES berät Sie im Hinblick auf die regulatorischen Anforderungen und die Maßnahmen, die Sie ergreifen sollten. Sprechen Sie uns an!

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